Wie geht eigentlich Sterben?

Oft geben wir den Angehörigen eine kleine Broschüre mit: „Die letzten Tage und Wochen – eine Hilfe zur Begleitung“ von Daniela Tausch und Lis Bickel (über info@krebsverband-bw.de zu bestellen).

Liebevoll wird hier beschrieben, wie ein Mensch sich aus dem Leben verabschiedet. Auch wenn jeder Mensch „seinen eigenen Tod stirbt“, gibt es doch Übereinstimmungen, die schon seit Jahrtausenden von Mitmenschen beobachtet und beschrieben werden.

 

 

 

 

Wenn ein Mensch stirbt, wird die Energie des Körpers langsam zurückgefahren und der Mensch konzentriert sich nur noch auf das Allernotwendigste. Für Angehörige ist dies oft ein schwerer Schritt, weil sie sich nicht mehr mit dem geliebten Menschen unterhalten können. In dieser Zeit helfen Gespräche mit Freunden, aber auch Gespräche mit HospizbegleiterInnen als ganz fremde, zugewandte Menschen, denen man die gemeinsame Geschichte erzählen kann.

 

Es gibt Erinnerungen, die nun sowohl beim Sterbenden, als auch bei den Angehörigen wach werden und die erzählt und gehört werden möchten.

„Manche Menschen halten in Träumen, im Halbschlaf oder auch im monologhaften Gespräch Rückblick auf ihr Leben, ziehen gleichsam Bilanz. Einige machen diesen Rückblick in aller Stille, ganz für sich allein – anderen wiederum hilft die stille Anteilnahme einer anderen Person.““ (aus: „Die letzen Tage..“s.o. S.5).

 

 

 

Essen und Trinken werden weniger. Der Körper kann die Nahrung und zum Schluss auch das Trinken nicht mehr verarbeiten. Essen würde „wie ein Stein im Magen“ empfunden werden. Und je weniger ein Mensch in dieser Lebensphase trinkt, desto weniger empfindet er oder sie Schmerzen. Auch dies ein uraltes Wissen, das in der palliativen Medizin und Pflege erst wieder gelernt werden musste.

Ein wenig Butter auf die Lippen, vielleicht etwas Honig untermischen und der Mund fühlt sich nicht so trocken an. In einem kleinen Stoffsäckchen kann an einem zu Eis gefrorenen Stückchen Saft gelutscht werden, wenn der Kranke nicht mehr schlucken kann.

 

Unruhe kann in diesen letzten Wochen und Tagen für die Angehörigen zu einer schweren Prüfung werden. Die Kranke zupft an der Bettwäsche, macht ziellose Arm- und Beinbewegungen, deckt sich auf und murmelt vor sich hin. Oft hilft es, ruhig am Bett zu sitzen und in normaler Lautstärke mit einem anderen Menschen ruhig zu sprechen. Die sterbenden Menschen werden dann oft ruhiger und schlafen wieder ein und die Angehörigen fühlen sich durch die dritte Person nicht so hilflos in dieser Situation. Auch ruhige oder vertraute Musik kann beruhigend wirken. Dies sollte jedoch sorgsam beobachtet werden. Gerade vertraute Musik weckt vielleicht Erinnerungen, die schmerzen und beunruhigen. Dann sollte darauf verzichtet werden.

In den letzten Tagen gibt es oft ein „Aufblühen“. Der Kranke setzt sich auf, spricht und isst sogar noch etwas und erscheint wieder auf dem Weg der Genesung zu sein. Es ist gut, diese Zeit gemeinsam zu nutzen, aber auch wichtig zu wissen, dass dies häufig kurz vor dem Versterben geschieht.

 

Dann kommt der endgültige Abschied, der sich vor allem bei sehr alten Menschen, oder solchen, die über lange Zeit mit Chemotherapeutika überlebt haben, einige Tage dauern kann. Der Atem wird unregelmäßiger. Manchmal hört man ein Rasseln, das für die Angehörigen schwer zu ertragen ist, aber den Sterbenden keine Qual bereitet, denn die Gehirnfunktionen sind schon sehr herabgefahren. Der Puls schlägt schnell und oberflächlich und Beine und Arme werden kalt.

Hilfreich ist hier für die Angehörigen, wenn sie das Zimmer schön herrichten, einen guten Duft durch eine Duftlampe (mit natürlichem Duftöl) in das Zimmer lassen. Dies geht auch im Pflegeheim und selbst im Krankenhaus ist mit ein paar Tropfen Aromaöl auf einem Duftstein eine bessere Atmospäre zu erreichen.

Wenn es möglich ist, setzen Sie sich an das Bett Ihres Angehörigen und sprechen mit einem anderen Menschen über das, was Sie jetzt gerade beschäftigt und vielleicht über Dinge, die sie mit dem Sterbenden erlebt haben. Unser Gehör ist der letzte Sinn, der stirbt und ein ruhiges Gespräch ist für die Sterbenden hilfreich (sie werden oft ruhiger) und auch ein guter Start in die Trauer.

Wenn der Mensch verstorben ist, bleibt er noch eine Weile warm und sieht nicht viel anders aus als vor dem Tod – oft sogar entspannter. Er darf angefasst und gestreichelt werden und manchmal ist es möglich, ihn gemeinsam mit einer Krankenpflegerin noch zu waschen und die Lieblingskleidung anzuziehen. Zuhause dürfen die Verstorbenen noch 36 Stunden verbleiben. Viele Bestatter haben heute aber auch einen Raum, der schön hergerichtet ist und in dem die Verstorbenen noch einige Tage besucht und verabschiedet werden können.

 

Unsere Literaturempfehlung: Claudia Bausewein und Rainer Simader haben ein Buch verfasst, das wunderbar geschrieben ist und tatsächlich Menschen, die sich mit den Fragen um den Tod beschäftigen (müssen) eine gute Handreichung bietet. Viele unserer Angehörigen schätzen die klare Sprache des Buches und die kurzen, knappen Antworten, die von der Mundpflege über Fragen, die mit dem Arzt zu klären sind bis zu Verhaltensweisen der Sterbenden Auskunft geben.

 

 

 

 



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